KI Updates mit Marten (Juli 2026)

KI-Updates mit Marten: Neue Modelle, neue Regeln und ein Netz voller Müll (07/26)

KI verändert sich selten langsam – und genau deshalb lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf die wichtigsten Entwicklungen. In dieser Ausgabe geht es um die neuen Transparenzpflichten durch den EU AI Act, die vorgestellte GPT-5.6-Modellfamilie mit Sol, Terra und Luna sowie die Frage, welche Informationen KI-Systeme über ihre Nutzenden speichern. Außerdem wird das Phänomen „AI Slop“ beleuchtet: die wachsende Menge KI-generierter Inhalte im Netz und die Herausforderung, echte von künstlich erzeugten Inhalten zu unterscheiden.

KI-Updates mit Marten: Neue Modelle, neue Regeln und ein Netz voller Müll (07/26)

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Wandel entsteht nicht über Nacht, aber wenn es um KI geht, kommen die Änderungen meist schneller als man denkt. Ob es neue Modelle, Nutzeroberflächen oder Gesetze sind – wer KI nutzt, muss sich mit den Änderungen auseinandersetzen. Um das etwas einfacher zu machen, habe ich dir die wichtigsten und aktuellsten Änderungen hier zusammengeschrieben – verständlich und praxisnah:

Der EU AI Act tritt in kraft – Was heißt das jetzt für mich? | Open AI liefert eine neue Modellfamilie – Welche Änderungen bringt das? | Was weiß die KI über mich – Der Selbsttest

Los geht’s.

 

1. EU AI Act, Artikel 50: Ab August muss KI Farbe bekennen

Ab dem 2. August 2026 gilt in der EU eine neues Gesetz (der EU AI Act, genauer: § 50). Kurz gesagt: KI-Inhalte müssen in vielen Fällen als solche gekennzeichnet werden.

Das betrifft zum Beispiel Bilder, Videos, Tonaufnahmen und sogenannte Deepfakes, also täuschend echte Fälschungen. Auch bestimmte Texte und Chatbots fallen darunter. Wenn Du also mit einem Chatbot schreibst, wirst Du künftig wissen, dass Du mit einer Maschine sprichst und nicht mit einem Menschen. Das Ziel ist einfach: Niemand soll getäuscht werden, ob etwas/jemand echt ist oder von einer KI stammt.

So weit, so gut. Aber hier lohnt sich ein kritischer Blick. Denn nicht jede KI-Nutzung muss gekennzeichnet werden. Es kommt darauf an, wie die KI eingesetzt wird und welche Inhalte dabei entstehen. Diese Grauzone ist das eigentliche Problem. Wer die Kennzeichnung unbedingt umgehen möchte, wird oft auch Wege finden. Und ob Plattformen und Firmen die Vorgaben wirklich konsequent umsetzen, muss sich erst noch zeigen. Ein Gesetz auf dem Papier ist gut. Entscheidend ist, wie es im Alltag ankommt. Falls Du also demnächst überall Wasserzeichen oder andere Markierungen siehst, weißt Du genau, woher sie stammen!

*Disclaimer: Dies ist keine Rechtsberatung. Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Diskussion, sie ersetzen keine individuelle rechtliche Prüfung oder Beratung.

 

2. ChatGPT 5.6 ist da: Sol, Terra und Luna

OpenAI hat Anfang Juli 2026 eine neue Modellfamilie vorgestellt: GPT-5.6. Neu ist, dass es diesmal nicht ein einzelnes Modell gibt, sondern gleich drei, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Das Größte heißt Sol. Es ist das leistungsstärkste Modell und für die anspruchsvollsten Aufgaben gedacht. In der Mitte liegt Terra, ein guter Mittelweg aus Leistung und Preis. Und Lunaist das kleinste und günstigste Modell für einfachere Aufgaben.

Was heißt das jetzt genau für Dich? Du kannst je nach Aufgabe das passende Modell wählen. Für eine schnelle E-Mail reicht auch Luna. Für eine komplexere Analyse nimmt man Sol. Laut OpenAI ist Sol deutlich effizienter geworden, besonders beim Programmieren, und kann mehrere Aufgaben besser parallel bearbeiten. Alle drei Modelle können aber sehr große Textmengen auf einmal verarbeiten.

Zusammengefasst: mehr Auswahl, mehr Tempo und für viele Aufgaben ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Ob Du den Unterschied im Alltag wirklich merkst, hängt stark davon ab, was Du mit der KI machst.

 

3. Was weiß die KI eigentlich über Dich?

Man sagt: „Das Internet vergisst nie“, aber gilt das auch für KI?

ChatGPT und ähnliche Programme haben ein Gedächtnis. Sie speichern zum Beispiel Deinen Namen, Deine Interessen, Deinen Beruf, Deinen Schreibstil und Themen, über die Du oft sprichst. Das passiert auf zwei Wegen:

  1. Es gibt Dinge, die Du bewusst speichern lässt.
  2. (Der wichtige Teil): KI zieht sich automatisch Informationen aus Deinen alten Unterhaltungen, auch ohne dass Du es aktiv erlaubst.

Seit einem Update im Juni 2026 arbeitet dieses Gedächtnis noch stärker im Hintergrund und aktualisiert sich von selbst. Klingt praktisch, hat aber eine kritische Kehrseite, die Du kennen solltest: Die Einstellungen sind so gebaut, dass möglichst viele Daten gesammelt werden. Wer das nicht will, muss selbst aktiv werden und an mehreren Stellen im Menü nachjustieren. Besonders heikel: Wenn die KI sich während eines Chats etwas gemerkt hat und Du diesen Chat später löschst, bleibt die Erinnerung trotzdem bestehen. Löschen bedeutet hier also nicht automatisch vergessen.

Mein Rat an Dich: Schau einmal in die Einstellungen unter dem Punkt ‚Personalisierung‚ oder ‚Memory‚. Dort siehst Du, was gespeichert ist, und kannst einzelne Einträge löschen. Und wenn Du etwas Sensibles besprechen willst, nutze den temporären Chat-Modus. Der wandert nicht ins dauerhafte Gedächtnis.

 

4. AI Slop und der Slop-Reflex

Immer mehr Inhalte im Netz wirken seltsam glatt, beliebig und leer. Dafür gibt es inzwischen einen Namen: AI Slop. Frei übersetzt bedeutet das so viel wie KI-Müll. Gemeint sind Texte, Bilder und Videos, die schnell und teilweise in Massen von einer KI erzeugt werden, ohne echte Sorgfalt oder menschliche Korrektur.

Und das ist kein Randphänomen mehr. Eine Studie von Graphite Growth kam zu dem Ergebnis, dass rund die Hälfte aller neu veröffentlichten Online-Artikel von KI stammt. Manche Schätzungen gehen sogar davon aus, dass ein sehr großer Teil aller neuen Inhalte im Netz von Maschinen kommt. Ein weiterer Bericht zeigt, dass mehr als die Hälfte des gesamten Internetverkehrs inzwischen von Bots erzeugt wird, also nicht von echten Menschen. Nicht ohne Grund wurde „Slop“ von einigen Wörterbüchern zum Wort des Jahres gewählt.

Hier ist ein kritischer Blick besonders wichtig. Denn AI Slop hat Folgen für uns alle. Es wird schwieriger, echte von erfundenen Informationen zu unterscheiden. Auf Plattformen wie YouTube, TikTok und Instagram tauchen erfundene Ereignisse und missbrauchte Gesichter von Prominenten auf. Die Qualität dessen, was Du täglich liest und siehst, sinkt. Einige Plattformen reagieren inzwischen. YouTube etwa verlangt eine Kennzeichnung von KI-Inhalten und will erkennen, wenn das Gesicht eines Menschen ohne Erlaubnis in einem Fake auftaucht. Ob das reicht, ist offen.

Doch es gibt eine andere Seite, über die weniger gesprochen wird: den sogenannten Slop-Reflex. Weil so viel Müll unterwegs ist, haben viele Menschen sich angewöhnt, Inhalte sofort und ganz automatisch als „KI-Müll“ abzustempeln. Ein Bild wirkt etwas zu perfekt, ein Text etwas zu glatt, und schon lautet das Urteil: ‚Alles nur KI‘. Das Problem ist, dass dieser Reflex genauso oft danebenliegt. Ein bekanntes Beispiel aus Mai 2026: Im Netz wurde ein Bild lautstark als KI-Fälschung entlarvt, angeblich mit allen typischen Fehlern. In Wahrheit war es ein echtes Gemälde von Claude Monet.

Und genau hier liegt die kritische Pointe. Wer alles reflexartig als KI abtut, macht am Ende denselben Fehler wie jemand, der alles blind glaubt. Beides ersetzt das eigene Einschätzen durch eine schnelle Schublade.

Was also kannst Du tun?

Sei aufmerksam, aber nicht vorschnell. Prüfe Quellen, statt nur nach Gefühl zu urteilen. Vertraue nicht jedem perfekt aussehenden Beitrag, aber verurteile auch nicht alles aus Reflex. Gerade in Zeiten von ‚AI Slop‘ ist Dein eigener, ruhiger und kritischer Blick das wertvollste Werkzeug, das Du hast.

 

Das war es für heute. Ich hoffe, Du konntest ein paar Dinge mitnehmen. Wenn Dir diese Ausgabe gefallen hat, leite sie gern weiter.

Bis zum nächsten Mal und bleib neugierig!

Dein Marten

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